Der Eigentliche Neokapitalismus Anna-Lena Lucas

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Der Eigentliche Neokapitalismus

Anna-Lena Lucas

Boris Teskow war ein tschechischer Gelehrter deutscher Abstammung, der in Prag zu Anfang des 20. Jh.s gelebt hat. Er ist der Begründer des Eigentlichen Neokapitalismus gewesen, einer Bewegung, die den Schlüssel aller gesellschaftlichen Probleme seiner Zeit und der Zukunft bereitzustellen versprach. Zusammen mit dem Briten James Goodwater alias Jamek Dobravoda bemühte er sich, seine Lehren zu verbreiten. Teskows Ideen waren jedoch so revolutionär, dass sie beim Volk nicht nur auf Unverständnis, sondern massiven Widerstand stießen: In den Morgenstunden des 12. Oktober 1912 warf ihn die aufgebrachte Bevölkerung von der Karlsbrücke in die Moldau.
Sein Leben fasste ich in fünf Stationen bzw. Plakaten als eine Art Kreuzweg zusammen: Die Unzufriedenheit, Die Vision, Der Kampf, Die Ignoranz, Die Moldau. Jedes Plakat erzählt die revolutionären Ereignisse in Prag aus der Sicht Boris Teskows. Dabei wird die Erzählung noch einmal wiedergegeben durch die verwendeten Symbole, ganz besonders im Zusammenhang mit dem Layout des Textes.
Die Sache ist: Leben und Werk des Gelehrten sind frei erfunden. Nach der Idee ‚Exisitert nicht alles irgendwie, was ich mir vorstellen kann?‘ wollte ich eine Möglichkeit finden, die ‚Existenz einer erfundenen Identität‘ durch die Einbindung in geschichtliche Eckdaten gewissermaßen zu beweisen, glaubhaft erscheinen zu lassen und in die Köpfe anderer zu setzen. Zunächst hatte ich Urkunden und Wappen ‚fälschen‘ und Fotos aus der Zeit retuschieren wollen. Dann bin ich jedoch dazu übergegangen, das Thema in eine unserer
Zeit angemessene grafische Sprache umzusetzen und den Eigentlichen Neokapitalismus wieder aufleben zu lassen.

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