Re: EU will „Stereotype“ aus der Werbung verbannen
Es ist ziemlich lustig, das die Werbewirtschaft diesen (nicht mal weisenden) Beschluss aus Brüssel als Diskriminierung ihrer Medien und Meinungsfreiheit quittiert. Immerhin hätte es innerhalb der letzten dreißig Jahre problem -und schmerzlos möglich sein müssen, von einer sexistischen Werbepraxis hin zu einer mehr den Realitäten entsprechenden Werbung zu kommen, die nicht vor Geschlechterklischees nur so trieft.
Der gesellschaftliche Wandel, den Christoph Fiedler als Grundlage einer Werbepraxis sehen möchte, hat längst stattgefunden. Derweil zementiert die Werbung Frauen- und Männerbilder, wie es sie so im gros kaum mehr gibt. Wenn Werbebilder keinerlei Wirkung beim Rezipienten hätten, wäre Werbung komplett überflüssig, umso unglaubwürdiger wenn sich die Werbewirtschaft aus der Verantwortung zieht, indem sie vorgibt, lediglich Realitäten darzustellen. Noch lächerlicher und Übelkeitserregend wird es, wenn sich die Werber auf einmal zum Verteidiger der Meinungsfreiheit stilisieren. Auf Führungsebene ist die Werbelandschaft in diesem Land immer noch männlich geprägt-und das merkt man der Werbung eben auch an. Vielleicht sollten sich die beiden männlichen Vertreter von ZDW und VDZ eher Gedanken darum machen, wie viele Kunden sie aufgrund sexistischer Werbung abschrecken. Und ob sie mündige Kunden schätzen. Gender und Design ist eines der spannenden aktuellen Themen, und natürlich wieder mal eines, bei dem die Skandinavier die Nase vorn haben. In der Theorie und in der Praxis. Wahrscheinlich kann Deutschland wie in allen Genderthemen wieder einmal Jahre hinterhereiern.