„(Denn) du bist Deutschland“ – wie angreifbar sind Slogans?

„Du bist Deutschland“ – Motiv der Printkampagne
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Schon einige Zeit kritisiert „Spreeblick“-Blogger Johnny Haeusler die „Du bist Deutschland“-Motivationskampagne verschiedener Medien. Nun gelang es ihm mit einem ausgegrabenen Foto aus der NS-Zeit, auf dem ein Transparent mit dem Schriftzug „Denn du bist Deutschland“ zu sehen ist, eine Diskussion auszulösen und Deutschlands Werber vor eine völlig neue Aufgabe zu stellen.

Es war ein Rauschen im Blogger-Wald – und auch gleich mehrere der „etablierten“ Medien, darunter „Spiegel Online“, die „Netzeitung“, der „Berliner Kurier“ und die „taz“, sprangen auf den Zug auf, wenngleich der Inhalt der Nachricht auch reichlich dünn ist: Ein Satz, der 2005 als Slogan verwendet wird, ist 1935 so ähnlich schon einmal gefallen – eigentlich wäre es eher ein Wunder gewesen, wenn dem nicht so wäre.

Historiker sehen den Slogan der Medien-Kampagne erwartungsgemäß auch als nicht belastet. Den Schriftzug „Denn du bist Deutschland“ halte er für eine „zufällige Analogie“, so der Historiker Prof. Hans Mommsen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, der Slogan sei auch „nicht gängig“ gewesen. Der Nationalsozialismus-Experte Hans-Ulrich Wehler sagte, nur weil vor Jahrzehnten eine ähnliche Formulierung gebraucht worden sei, spreche nichts gegen die Verwendung des neuen Slogans. Ansonsten müssten hunderte von Worten gestrichen werden.

Dennoch sah sich die Initiative zu einer Stellungnahme genötigt: „Der Begriff ‚Deutschland‘ darf nicht für die Vergangenheit reserviert sein. Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste Nationalsozialismus, Rassismus und neonazistisches Gedankengut. Wir begrüßen und unterstützen die Aufarbeitung der deutschen Geschichte und verstehen die Kampagne als antifaschistisch, weil wir auf die Leistung und Persönlichkeit jedes Einzelnen und die Zivilgesellschaft setzen. Im TV-Spot belegen wir mit Bildern wie dem am Holocaust-Denkmal oder der Geschwister-Scholl-Szene, dass wir für Werte wie Menschenwürde, Demokratie, Respekt vor der Persönlichkeit und Pluralismus eintreten und uns der deutschen Vergangenheit stellen – ohne uns der Zukunft zu verschließen. Deutschland ist nur mit aufrichtigem Geschichtsbewusstsein und Weltoffenheit zukunftsfähig.“ Ob sich die Initiative mit dieser Auflistung von Selbstverständlichkeiten nun einen Gefallen getan hat oder sich besser erst gar nicht auf das Niveau einer solchen Diskussion begeben hätte, mag dahingestellt bleiben.

Es bleibt aber der fade Beigschmack: Wie einfach lassen sich Kampagnen, Firmen und Personen sabotieren und diffarmieren, wenn man nur nach zwischen 1933 und 1945 gefallenen Wörtern und Sätzen fahnden muss, um in Blogwelt und klassischen Medien geradezu eine Gegenkampagne auszulösen? Auch Johnny Haeusler scheint von dem Effekt überrascht: Die schnelle Verbreitung des Fotos in den Weblogs sei „sicherlich ein Zeichen für die weiter steigende Popularität von Blogs, was zwar prima ist, aber zumindest für mich auch ein Zeichen dafür, wie schnell die Blogosphäre zu instrumentalisieren sein könnte – egal von welcher ‚Seite‘. Die Mechanismen scheinen, und das ärgert mich, zu leicht durchschaubar zu sein“, schreibt er in seinem „Spreeblick“-Beitrag.

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